Reisebericht  vom 27. Februar bis zum 15. März nach Lwala, Uganda

Am Freitag, dem 27. Februar machten sich Nicole, Andrea, Jutta, Henri, Edgar und Christian am Vormittag vom Findel über Istanbul auf den Weg nach Entebbe/Kampala in Uganda. Dort kamen wir in den frühen Morgenstunden des 28. Februar an und wurden bereits von Joseph, unserem Freund, Grundstückseigentümer der Schule und „Projektleiter“ vor Ort, erwartet.

Da wir im Vorfeld geklärt hatten, welche Dinge für die Schule am besten in der Hauptstadt besorgt werden sollten, und Joseph zusätzlich noch einige Wünsche hatte, verbrachten wir den ersten Vormittag damit, Geld zu wechseln und Einkäufe zu erledigen. Die Schneiderklasse sollte Stoffe, Nähmaterial sowie eine neue Nähmaschine erhalten. Die Frisörklasse benötigte die Grundausstattung für einen kleinen Frisörsalon, und die Schule sollte einen Laptop mit Drucker bekommen –  nicht zuletzt, um die Kommunikation mit uns zu verbessern.

Mit diesem Material machten wir uns anschließend auf den Weg in das etwa 400 km nördlich gelegene Otuboi zu unserer Unterkunft, wo wir am späten Abend ankamen. Dort blieb gerade noch Zeit für eine Dusche und ein kaltes Bier, bevor wir erschöpft in die Betten fielen.

Am nächsten Tag, Sonntag, dem 1. März, stand zunächst der Besuch der Schule auf dem Programm, wo man uns bereits erwartete. Wir verschafften uns einen Überblick über den Stand der Arbeiten, begutachteten die Sturmschäden und besprachen mit Joseph die weiteren kurzfristigen Vorhaben, die während unseres Aufenthaltes durchgeführt oder zumindest begonnen werden sollten.

Dazu gehörten unter anderem Ersatz des derzeitigen Küchengebäudes aus Wellblech durch ein kleines Steingebäude sowie der Neubau eines sogenannten Boarding-Hauses, einer Unterkunft für Schülerinnen und Schüler, die einen langen Schulweg haben und nicht täglich nach Hause gehen können. Außerdem liefen bereits Vorbereitungen für den Bau einer Zaunanlage rund um das Gelände. Dieses Vorhaben ist im Vergleich zu den Gebäuden zwar kostspielig, aber wichtig, da das Schulgelände nachts häufig von hungrigen Tieren und Menschen auf der Suche nach etwas Verwertbarem aufgesucht wird.

Weitere Arbeiten, wie das Streichen der Gebäude, das Herstellen von Sitzmöbeln sowie die Produktion von Ziegelsteinen waren in vollem Gange.

Im Anschluss besuchten wir Josephs Familie, deren Zuhause sich in geringer Entfernung auf dem Gelände befindet. Dort wurde für uns ein Mittagessen zubereitet, das wir dankend annahmen. Anschließend führten uns die beiden ältesten Kinder von Joseph in das nahegelegene Dorf Lwala. Dort besichtigten wir die katholische Kirche sowie das dortige Lwala Hospital. Die Leiterin zeigte uns alle Einrichtungen, in denen sogar Operationen durchgeführt werden können. Gleichzeitig berichtete sie, dass die Unterstützung durch die US-amerikanische Regierung (USAID) eingestellt worden sei, wodurch ein zuvor gut funktionierendes Krankenhaus nahezu zum Stillstand gekommen ist.

Der darauffolgende Montag stand ganz im Zeichen eines sehr herzlichen offiziellen Empfangs an der Schule. Die Schülerinnen und Schüler erschienen in ihren blau – weißen Schuluniformen, und auch alle Lehrkräfte bereiteten uns einen feierlichen Empfang. Joseph sowie der Vorsitzende der Schule hielten eine Rede, in der sie noch einmal die Wichtigkeit dieses Projektes und die Bedeutung für die Menschen an diesem Ort betonten. Die Redner ließen nicht nach, sich für die Unterstützung aus Deutschland zu bedanken und in ihrer Sichtweise ist dies ein Gottesgeschenk. Dementsprechend wurden wir, unsere Familien, Nachkommen und alle Menschen aus Deutschland, die helfen, gesegnet und mit dem Wunsch nach ewigem oder zumindest sehr langem Leben bedacht, was wir an dieser Stelle gerne an unsere Unterstützer weitergeben.

Zufälligerweise waren zum gleichen Zeitpunkt drei Mitarbeiter des ugandischen Stromversorgungsunternehmens vor Ort. Diese nutzten die Gelegenheit, den Schülerinnen und Schülern einen Vortrag im Umgang mit Elektrizität zu halten. Unsere Hoffnung, das an diesem Tag der Strom angeschlossen werden könnte, erfüllte sich jedoch nicht.

Nach dem Mittagessen bei Josephs Familie fuhren wir noch einmal in die nächste größere Stadt Soroti, da weiterer Bedarf an Werkzeugen für die Zimmerleute, Schreiner und den allgemeinen Schulbetrieb bestand. Da in Kürze hoffentlich mit der Verfügbarkeit von Elektrizität gerechnet werden kann wurde außerdem der Wunsch in die Tat umgesetzt, zukünftig auch Schweißer auszubilden, wofür ebenfalls einiges an Werkzeug benötigt wurde.

 Auf dem Weg in die Stadt hielten wir kurz bei der befreundeten Medizinerin Betty in ihrer kleinen Versorgungsstation. Da geplant war, dass sie Nicole bei den medizinischen Versorgungstagen unterstützen würde, klärten wir mit ihr, welche Medikamente besonders dringend benötigt werden, um diese anschließend ebenfalls in Soroti zu besorgen.

Den Dienstag verbrachten wir vollständig auf dem Schulgelände. Wir verteilten die Materialien an die Ausbilderinnen der Friseur- und der Schneiderklassen. Mit großer Begeisterung durften die Schülerinnen ihre Fertigkeiten an unseren drei europäischen „Modellen“ Nicole, Andrea und Jutta erproben, was sicherlich Seltenheitswert für sie hat.

Zu Übungszwecken brachten wir auch einige Frisierköpfe aus dem Frisörladen mit. Komischerweise sind diese wie auch Schaufensterpuppen weißen Menschen nachgebildet. Dies führte dann zu einer großen Belustigung bei den Auszubildenden, da wir diesen Köpfen anscheinend insbesondere in der Form der Nase sehr ähnlich sehen.

 Als Höhepunkt des Tages, zumindest für die Schüler und Schülerinnen, erfolgte dann das Verteilen von Trikots der JSG Pellingen/Franzenheim und des SV Wiltingen. Wir verließen die Schule, während dort noch fleißig Fußball gespielt wurde, mit der Entscheidung, noch zwei einfache Fußballtore zu installieren.

Der Mittwoch begann mit einem Treffen zwischen uns und dem gesamten Schulkomitee in unserem Hotel. Da  mittlerweile in Uganda als eine Non-Governmental Organisation anerkannt ist, erhofften wir uns dadurch Zugang zu einem gemeinsamen ugandischen Konto für die Schule.

 Hierfür war jedoch zunächst ein Vertrag zwischen  (Deutschland) und dem Trainingscenter vor Ort erforderlich. Zudem erhielten wir die Statuten der Schule ausgehändigt, einen Bilanzplan und die Schulregeln (U.a. Social Media, Rauchen, Trinken, Homosexualität, Prostitution, Fluchen und Hexen verboten). Jede Regel wurde detailliert erläutert. Von dem Treffen wurde ein ausführliches Protokoll angefertigt. Auch hier zeigte man sich sehr dankbar, wir wurden in viele Gebete eingeschlossen und mit vielen guten Wünschen bedacht. Nach einem gemeinsamen Essen wurden die Mitglieder des Komitees wieder von Joseph nach Hause gefahren und wir verbrachten den Rest des Tages bei einem Spaziergang durch das Dorf.

Der Donnerstag stand im Zeichen der medizinischen Behandlungstage, die für alle zugänglich waren und auf dem Schulgelände stattfanden. Nach der Voruntersuchung durch Andrea und Jutta wurden die Patienten von Dr. Nicole behandelt. Beatrice (Josephs Tochter) und Robinah (seine Nichte) unterstützten tatkräftig, sowohl bei einfachen medizinischen Tätigkeiten als auch beim Übersetzen von Englisch in die Sprache der hiesigen Bevölkerung.

Währenddessen machte Edgar sich durch das unermüdliche Zapfen und Verteilen von Frischwasser an die Wartenden unverzichtbar. Gemeinsam kümmerten sich Christian und Edgar um die wartenden Kinder, machten Polaroid-Fotos, verteilten frittierte Teigbällchen und erledigten weitere Aufgaben.

 Henri arbeitete parallel an der Installation des Laptops, was sich Aufgrund fehlenden Stroms und Internets als schwierig erwies.

 Da eine Terminplanung nach deutschem Vorbild unmöglich ist, wurde dann für den Nachmittag kurzfristig ein weiterer Termin bei der Bank in Soroti, der einen Tag zuvor hätte stattfinden sollen und der an einer mangelnden Beglaubigung gescheitert war, anberaumt.

 Wir verbanden dies mit der Besorgung von Lehr- und Ausbildungsmitteln für die Schweißerklasse, da wir die Gelegenheit hatten, den zukünftige Schweißlehrer mitzunehmen und wir die Hoffnung hatten, dass er besser weiß als wir, was benötigt wird. An dieser Stelle sei Henri gedankt, dem keine Mühe zu viel war, sich um das Schweißequipment und den Laptop zu kümmern. Nachdem wir dann in der Bank gescheitert waren, ein Konto zu eröffnen, da es in den Augen des zuständigen Bankmitarbeiters Unstimmigkeiten gab, nutzte Nicole die Gelegenheit und wir konnten wenigstens die Medikamente für den zweiten Behandlungstag besorgen.

 Der Freitag verlief ähnlich wie der vorherige Behandlungstag, jedoch war deutlich mehr los, da sich herumgesprochen hatte, dass wir vor Ort waren. Glücklicherweise erhielt Nicole Unterstützung von Betty. Die verbliebenen Medikamente dienten zur Auffüllung des medizinischen Vorrats der Schule, den Rest spendeten wir dem Health Center in Apapai.

Am Samstag besuchten wir den Wochenmarkt in Otuboi.  Wir tauchten in das lebhafte Geschehen ein – geprägt von Lärm, Menschen, Tieren und intensiven Gerüchen, von frischen Früchten bis hin zu frittiertem Essen, selbst gebranntem Schnaps und dem alles überlagernden beißenden Geruch von Holzfeuer, der quasi im ganzen Land wahrzunehmen ist. 

Am Nachmittag wurden wir von einem Bruder Josephs zum Essen eingeladen. Seine Familie bereitete das Essen ausschließlich für uns zu, da es dort nicht üblich ist, dass die Gastgeber mit den Gästen essen. Man bittet die Gäste in eine kleine Hütte, dort ist gedeckt. Ein (weibliches) Mitglied der Familie wäscht den Gästen die Hände, betet mit ihnen und verlässt dann die Hütte. Die Mahlzeit für die Familie beginnt anschließend mit dem Clanchef, danach folgt der Rest der Familie.

Nach dem Essen saßen wir noch eine Zeit lang mit unseren Gastgebern zusammen. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag zum Besuch des Gottesdienstes in Lwala.

Sonntags holte Joseph uns in Otuboi ab und fuhr uns gemeinsam mit Robinah zum Gottesdienst. Da Joseph nicht katholisch ist, sondern Prediger einer Pfingstkirche, kam er nicht mit. Man hatte uns am Tag zuvor gesagt, der Gottesdienst beginne um 09.00 Uhr und werde vom Bischof persönlich geleitet.

Beides stellte sich als Fehlinformation heraus, denn als wir pünktlich zehn Minuten vorher ankamen, war die Kirche vollkommen überfüllt und der Pastor war Pastor Simon – Peter  und kein Bischof. Man organisierte sofort Stühle für uns und wollte, dass wir in der Kirche Platz nehmen. Nicole und Andrea nahmen angesichts der Hitze draußen das Angebot an und setzen sich zu den Menschen in der Kirche.  Henri, Edgar und Christian zogen es dann aber vor, draußen zu bleiben. Beeindruckend war der Kirchenchor, der hier anscheinend aus professionellen Sängern besteht, die Gläubigen in der Kirche singen nicht. Im Anschluss an den Gottesdienst sang der Chor noch eine Weile, und man bat Christian, der sich das gerne anhörte, ein paar Grußworte zu sprechen. Als Christian dann erzählte, dass er auch in einem katholischen Kirchenchor in Deutschland singt, waren die Sänger höchst erfreut.

Den Rest des Tages verbrachten wir im Hotel und trafen Joseph noch einmal, mit dem wir uns über seine Vorstellungen zur Zukunft der Schule unterhielten, über seine Pläne, seine Wünsche, aber auch die Finanzierbarkeit, die Realisierbarkeit, die zukünftige Kommunikation und die weitere Unterstützung.

Eigentlich hätten die beiden Termine am Sonntag problemlos in ein Zeitfenster von drei bis vier Stunden gepasst. Da Zeit in Uganda aber offensichtlich keine Rolle spielt und selbst unser Freund Joseph uns problemlos drei Stunden warten ließ und überhaupt gar nicht verstand, warum wir darüber erstaunt waren, war auch dieser Sonntag mit den beiden Terminen komplett ausgefüllt.

Montags mussten wir mit den nun erneut angepassten Vertragsdokumenten, so wie es uns bei der Bank vorgeschrieben worden war, wieder zum Subcounty-Officer, einer untergeordneten Behörde irgendwo im Nirgendwo, um die Papiere beglaubigen zu lassen. Dies geschah erstaunlich zügig, sodass wir voller Hoffnung mit den drei Mitgliedern des Vorstandes sowie drei zeichnungsberechtigten Mitgliedern des Schulkomitees wieder nach Soroti zur Bank fuhren. Dort teilte man uns mit, dass nun eine Steuernummer fehle, die man in einem Ministerium in der Stadt bekommen könne. Während Joseph sich auf den Weg machte, diese Nummer zu besorgen, warteten die anderen drei Stunden in einem Café in der Nähe. Nachdem Joseph mit der Nummer zurückkam, versuchten wir unser Glück erneut in der Bank und bekamen einen Stapel Formulare ausgehändigt, die wir noch auszufüllen hatten.

Damit war für uns das Vorhaben erledigt und wir vereinbarten mit Joseph einen Modus, wie wir zukünftig über das gemeinsame Konto transparent gehalten werden und damit arbeiten können. Das uns vorschwebende Online-Banking ist dort nicht bekannt und wird oft mit dem Abheben von Geld am Automaten gleichgesetzt.

Auf dem Nachhauseweg kauften wir dann Lebensmittel, denn wir wollten am nächsten Tag für unsere Gastgeber, die Familie von Joseph, kochen.

Dies taten wir dann am Dienstag, dem 10. März. Wir hatten Spaghetti eingekauft, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch, weil wir wussten, dass die Menschen hier sich Nudeln nicht leisten können. Während der Vorbereitungen besuchten wir zwischendurch immer wieder die Schule, machten uns ein Bild von dem Stand der Arbeiten, nahmen Anregungen auf oder gaben welche weiter. Nicole, Jutta und Andrea nahmen die Taschenkollektion in Augenschein und wir verbrachten einen sehr schönen Tag im Kreise der Familie und des Schulbetriebs.

Für die Schüler wurde an diesem Tag ebenfalls gekocht. Wir baten die Köchin, für alle einzukaufen und es gab an diesem Tag ausreichend Reis, Weißkohlgemüse und Schweinefleisch. Dazu spendierten wir für jeden Schüler und jede Schülerin ein paar Getränke wie zum Beispiel Limonade, die für sie sonst unerschwinglich sind. Kein Wunder, dass sich auch die an der Schule tätigen Arbeiter in die Schlange stellten und selbstverständlich nicht abgewiesen wurden.

Wenn man bedenkt, dass das Kochen vom Anfachen des Feuers bis zum Essen mehrere Stunden dauern kann, weil es nur eine Feuerstelle gibt oder die nächste Wasserstelle kilometerweit weg ist, wundert es nicht, dass Zeit hier keine Rolle spielt.

An diesem Tag war auch Robinah zu Gast bei Joseph, die uns unbedingt ihr Neugeborenes zeigen wollte, welches sie zwischen Gottesdienstbesuch, medizinischer Unterstützung bei Nicole, Kochen bei ihrem Vater und ihrem Onkel so ganz nebenbei und unaufgeregt zur Welt gebracht hatte.

 Vor Ort machten wir uns dann noch einmal ein abschließendes Bild. Die Mauern der Küche waren bis auf Brusthöhe hochgezogen, die des Boarding-Hauses ebenfalls. Die Zaunpfosten waren geliefert worden, der Maschendrahtzaun auch, alle Türen und Fenster waren lackiert, die Holzbänke gefertigt, das Zauntor geschweißt, die Klassenräume gestrichen und das große, zur Straße weisende  Logo auf der Giebelwand angebracht.

Wir konnten guten Gewissens abreisen . In den nächsten Tagen erreichten uns Bilder, dass der Zaun steht und die Wände fertig sind. Auf einem Bild sieht man sogar den Verteilerkasten des Stromversorgers, der in der Zwischenzeit geliefert wurde. Während diese Zeilen geschrieben werden kommt die Nachricht, dass die Torpfosten für das große Eingangstor gemauert bzw. betoniert sind und das Dach des Boarding-Hauses gerade errichtet wird. Und tatsächlich wurde die Schule in den letzten Tagen an das Stromnetz angeschlossen.

 Eine weitere erfreuliche Nachricht: Es gab 26 neue Anmeldungen für unsere Schule, sodass die Schülerzahl jetzt 107 beträgt.

All dies, liebe Freunde von , ist nur möglich durch Ihre Hilfe und Ihr Zutun. Wir tun unser Bestes, dass ihr Geld an einem guten Ort eingesetzt wird und dafür verbürgen wir uns. Wir hoffen, wir konnten Ihnen dies durch diesen Reisebericht ein wenig näherbringen.

Bleiben Sie uns treu,

Ihr  Team

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